12. Juni 2024

Ausbildung zum Traumdoktor

Wie wird man Traumdoktor? Anfang April haben zehn professionelle Künstlerinnen und Künstler, die aus über 200 Bewerbungen ausgewählt worden waren, das erste von vier Ausbildungsmodulen begonnen, um Traumdoktor zu werden und das CAS der Accademia Teatro Dimitri zu erlangen. Tauchen Sie mit uns in die Welt dieses Lehrgangs ein, in dem die Künstlerinnen und Künstler zum ersten Mal ihren Kittel entdecken und lernen, wie sie jeden Gegenstand in eine Quelle magischer Fantasie verwandeln können. Ein Tag voller Lernerfahrungen und Verwandlungen.

April, 8.30 Uhr – Blanca, Martina, Brita, Naïma, Ludovic, Fabienne, Valentine, Andrea, Mor und Jacqueline treffen vor dem Studio Annexe 36 in Lausanne ein. Sie starten in den dritten und letzten Ausbildungstag des Moduls 1 ihrer Traumdoktor-Ausbildung. Am Ende dieses Moduls werden sie ausgerüstet sein, um in Begleitung eines erfahrenen Traumdoktors ihre ersten Besuche im Spital zu absolvieren. Nach einem Tag an der Hochschule für Gesundheit La Source mit Fokus auf die Hygienevorschriften im Spital werden sie nun in die künstlerische Welt der farbenfrohen Figuren der Stiftung Theodora eintauchen. Die Künstlerinnen und Künstler, die aus der ganzen Schweiz hierhergekommen sind, können es kaum erwarten, loszulegen. Heute werden sie zum ersten Mal den Traumdoktor-Kittel anziehen. Ein symbolischer Moment für die Teilnehmenden, die den Kindern im Spital Freude und Trost schenken möchten. Sie werden begrüsst von Thierry Jacquier, Ausbilder und Traumdoktor seit 25 Jahren, und Miriam Bass Costantini, Direktorin der Theodora-«Akademie», bei einem Frühstück empfangen, um gut gestärkt in den Tag zu starten.

Künstlerische Herausforderungen im Spital

Die Uhr zeigt 9 Uhr. Zeit, sich an die Arbeit zu machen. Thierry stellt sich vor den grossen Spiegel, um diesen dritten Tag offiziell zu beginnen. Angesichts der Aufregung der Künstlerinnen und Künstler gibt er das Programm bekannt: «Am Morgen schauen wir uns den Traumdoktor-Kittel und seine Figur an. Am Nachmittag geht es um die Verwendung von Gegenständen und Requisiten. Die Übungen zur ‹Einführung der eigenen Traumdoktor-Figur› – Thema des Tages – werden von Rolf Jaisli, alias Dr. Hatschi, und Tommy Müller, Dr. U. Fröhlich, angeleitet.» Unter dem Applaus der Kursteilnehmenden fordert Rolf sie auf, sich in die Mitte des Raums zu stellen. Die angehenden Traumdoktoren müssen so tun, als würden sie in den Korridoren eines Spitals umhergehen und ihren Kittel suchen. Einige suchen ihn scheinbar in der Luft, während sich andere auf den Boden konzentrieren und in den Ecken schauen. Valentine zum Beispiel kniet sich hin. Rolf greift sofort ein und erinnert sie daran, dass sie sich im Spital aufgrund der Hygienevorschriften nicht auf den Boden setzen kann, da sie sich dann nochmals komplett waschen müsste. Also improvisiert Valentine eine «Expressdusche» mit imaginärem hydroalkoholischem Gel, was zu allgemeiner Ausgelassenheit im Raum führt. Mit dieser Übung konnte der Ausbilder zeigen, dass das Spital eine Welt der Einschränkungen ist, mit denen die Traumdoktoren spielerisch umzugehen lernen müssen. Auf pädagogische Weise setzt Rolf den Kontext des Spitals stets ins Zentrum der künstlerischen Praxis.

Verwandlung zum Traumdoktor

Der langersehnte Moment ist da! Die Lernenden wählen ihren Traumdoktor-Kittel aus. Lidia, die Schneiderin der Stiftung, hat drei Kleiderstangen mit alten Kitteln mitgebracht – einer schöner als der andere. Die Aufregung ist spürbar. Sie warten nur noch auf das Zeichen von Rolf, um sie anzuprobieren.

Lydia stellt die Blusen und ihren Beruf als Schneiderin vor.

«Los!» Die Kursteilnehmenden steuern auf die Kleiderbügel zu. Thierry erklärt ihnen, dass sie sich überlegen sollten, wie sie den Kittel in ihr Spiel einbeziehen können. Ludovic probiert einen Kittel mit zu kurzen Ärmeln, was lustig wirkt. Dieser Kittel wäre perfekt, um die Kinder zum Lachen zu bringen. Valentine ist ebenfalls fündig geworden. Sie bewundert ihre Verwandlung im Spiegel und erklärt: «Ich war schon überglücklich, als ich für die Ausbildung ausgewählt wurde, aber jetzt, wo ich den Kittel in den Händen halte, wird alles real. Ich bin sehr zufrieden!» Stück für Stück tauchen die Auszubildenden mithilfe dieses bunten Kittels und seinen Bestandteilen in die Welt des Traumdoktors ein. Die Verwandlung beginnt!

Gegenstände, die zum Leben erwachen

Am Nachmittag übernimmt Tommy, Dr. U. Fröhlich, die Leitung des Workshops. Der Theodora-Künstler erklärt, dass ein Traumdoktor mit den Gegenständen in seiner Umgebung improvisieren können müsse. Also alles, was möglicherweise in einem Spitalzimmer vorhanden ist, bietet eine Quelle der Fantasie und Improvisation. In der darauffolgenden Stunde müssen die Lernenden die Funktion eines Gegenstandes neu interpretieren. So kann sich ein einfaches Paar Spitalhandschuhe in einen fliegenden Fisch oder ein Handbesen in eine riesige Haarbürste verwandeln. Das ist die Kunst der Traumdoktoren: das Spital in eine Zauberwelt zu verwandeln. Später müssen die Kursteilnehmenden mit einem imaginären kleinen Patienten interagieren und dabei einen Gegenstand verwenden, den sie von zu Hause mitgebracht haben. Bänder, Musikinstrumente, Zauberstäbe, Plüschtiere – im Koffer eines Traumdoktors findet man alles.

Bevor die Übung beginnt, beobachtet Thierry aus den Augenwinkeln, wie Valentine mit ihrem Plüschtier Pitou übt. Der Ausbilder nutzt die Situation, um ihr nützliche Tipps zu geben, damit Pitou in den Händen der jungen Künstlerin zum Leben erwacht. Sie stellt sich vor die Gruppe und präsentiert ihr kleines Beuteltier so, als wären ihre Kolleginnen und Kollegen die Kinder im Spital. Die Gelegenheit für Françoise, alias Dr. Chaussette und Marionetten-Expertin, ihr ein paar wertvolle Hinweise zu geben, damit die angehende Traumdoktorin ihre Kunst weiterentwickelt. Nun ist Blanca an der Reihe, das Publikum mit einem Zaubertrick zu beeindrucken. Geschickt lässt sie auf dem Tisch vor sich eine rote Kugel auftauchen und wieder verschwinden. Die Kursteilnehmenden sind nacheinander an der Reihe.

Ein professioneller Zertifikatslehrgang

Während des ganzen Tages haben sich Thierry, Rolf, Tommy und Françoise, die regionalen künstlerischen Teamleiter, gegenseitig abgelöst, um den angehenden Künstlerinnen und Künstlern die Feinheiten des Traumdoktor-Berufs näherzubringen. Nun sind die Auszubildenden bereit für ihre ersten Besuche vor Ort, wie Mor im Inselspital Bern, begleitet von Dr. Carusela. Nach Abschluss der vier Ausbildungsmodule sind die Kursteilnehmenden offiziell «Junior- Traumdoktoren» und erhalten ihren wertvollen Verdienst: das CAS (Certificate of Advanced Studies) in der Traumdoktor-Kunst, ausgestellt von der Accademia Teatro Dimitri. Auf dem Weg dahin liegt aber noch das Modul 2 im Tessin.

Mor (l.) besucht zum ersten Mal das Berner Inselspital, begleitet von Dr. Carusela (r.).

Die Traumdoktor-Ausbildung ist ein Zertifikatslehrgang mit einem «Certificate of Advanced Studies» (CAS) in der Traumdoktor-Kunst, das international anerkannt ist. Das CAS wird von der Accademia Teatro Dimitri in Verscio (TI) ausgestellt. Die Accademia Teatro Dimitri gehört zur Fachhochschule Südschweiz (Scuola universitaria professionale della Svizzera italiana, SUPSI) und bietet Studiengänge für die kreative und künstlerische Praxis an. Die ausgewählten Bewerberinnen und Bewerber verfügen bereits über eine solide Ausbildung im künstlerischen Bereich. Mit dem CAS profitieren die Künstlerinnen und Künstler von einer spezifischen Vorbereitung, um ihre Kunst im Gesundheitsbereich anzuwenden.

Für mehr Informationen

Podcast über die Ausbildung der Traumdoktoren

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