30. September 2022

Erfrischende Seifenblasen im Spital

Quentin mit dem kleinen Spiegel von Doktor Plume

Das ganze Jahr über besuchen die Künstlerinnen und Künstler der Stiftung Theodora jede Woche die Kinder in 34 Spitälern der Schweiz, um ihnen Unterstützung und Trost zu spenden. Die Sommerferien stellen dabei keine Ausnahme dar. So haben wir die Traumdoktoren Plume und Flash an einem Julimorgen im Spitalzentrum von Rennaz (VD) begleitet.

Es ist 8:45 Uhr im heissen Monat Juli und die Sonnenstrahlen beleuchten bereits die majestätischen Berge rund um das Spitalzentrum von Rennaz. Wir begeben uns in den zweiten Stock, zur Kinderstation. David und Pascal, zwei Künstler der Stiftung Theodora, gehen an diesem Tag mit dem Pflegeteam die Liste der hospitalisierten Kinder durch. Alter, Gesundheitszustand oder besondere Vorsichtsmassnahmen, die es zu beachten gilt – das Duo notiert sorgfältig alle Informationen, um den Besuch bestmöglich vorzubereiten.

Krankheiten und Unfälle gönnen sich keine Ferien

An diesem Morgen befinden sich Pauline, Thomas, Jules und Estelle auf dem Stockwerk, wobei die in der Notfallstation aufgenommenen Patientinnen und Patienten nicht mitgezählt werden. Eine Tatsache, die uns daran erinnert, dass sich Krankheiten und Unfälle auch im Hochsommer keine Ferien gönnen.

Fruchtige Fächer

Ungefähr zehn Minuten später treffen wir auf David und Pascal, die sich in die Traumdoktoren Flash und Plume verwandelt haben. Dr. Plume, ganz anmutig und voller Leichtigkeit, erkennt man an seinem blau-orangenem Hut; zwei Farben, die man auch auf dem Rest seiner Kleidung bis hin zu den Socken wiederfindet. Dr. Flash trägt seinerseits einen goldenen Blitz auf dem Hemdrücken und rot-weisse Turnschuhe, mit denen man sich ohne Weiteres vorstellen kann, dass er mit Lichtgeschwindigkeit umher flitzt. Kurzum: ein Duo, das sich perfekt ergänzt. Plume hat seine Ausrüstung um einen Fächer mit Wassermelonenmotiv ergänzt, während Flash sich für ein Modell mit Zitrone entschieden hat. Zudem trägt er einen rosafarbenen Mini-Ventilator in Hasenform um den Hals. Alles ist bereit – die Besuche können beginnen.

Die Künstler spazieren durch die farbigen Korridore der Kinderstation, die mit kleinen Tieren und sympathischen Figuren dekoriert sind. Eine willkommene Initiative, die dem Ort eine herzliche und kindliche Atmosphäre verleiht. Wir stehen vor einer Glastür, auf der uns ein Marienkäfer mit funkelnden Augen begrüsst: «Willkommen in der Neonatologie». Ja, wir sind bei den ganz Kleinen angelangt und das trifft sich gut, denn man ist nie zu klein, um mit dem Träumen zu beginnen.

Doktor Flash und Doktor Plume auf dem Weg zum nächsten Kinderbesuch
Weiter geht’s: Doktor Flash und Doktor Plume auf dem Weg zum nächsten Kinderbesuch.

Mittagsschlaf an Papas Brust

Wir treffen dort den kleinen Thomas, der erst sechs Wochen alt ist. Ein kleiner Bär liegt neben dem Neugeborenen, das sich in seiner Wiege bewegt, während es ab und zu einen Schrei von sich gibt. Nach der Erlaubnis einzutreten, nähern sich die Traumdoktoren behutsam dem Kind und seinem Vater. Es ist Zeit für den Mittagsschlaf. Thomas sollte eigentlich schlafen, aber er scheint nicht gewillt, sich sofort in Morpheus’ Arme zu begeben. Überraschend erklingt eine sanfte Musik im Zimmer. Doktor Plume spielt ein paar Töne auf seiner Kalimba (ein Instrument, das mit dem Daumen gezupft wird). Doktor Flash bietet dem Vater seinerseits mithilfe seines Fächers ein wenig Abkühlung. Aber das ist für den kleinen Thomas noch nicht genug, er bewegt sich weiter. Sein Vater holt ihn also aus seiner Wiege, um ihn sanft an seinen Brustkorb zu kuscheln. Das ist es, was gefehlt hat. Eingelullt von den Klängen der Kalimba, beruhigt sich der kleine Junge langsam, bevor er friedlich in den Armen seines Vaters einschläft. Mission erfüllt. Als Erinnerung an diesen Moment hinterlassen die Traumdoktoren eine Postkarte an der Wiege von Thomas, auf der steht: «Thomas, wir wünschen dir einen schönen Mittagsschlaf an Papas Brust! Dr. Plume + Dr. Flash»

Thomas kuschelt sich bei seinem Papa ein, unter den beruhigenden Klängen der Kalimba.
Der kleine Thomas kuschelt sich bei seinem Papa ein, unter den beruhigenden Klängen der Kalimba.

Himbeere oder Raclette

Nun ist die neun Monate alte Pauline an der Reihe, um von den lustigen Doktoren besucht zu werden. Von Anfang an ist das kleine Mädchen fasziniert von den beiden farbenfrohen Figuren, was sie mit ihrer kleinen Stimme deutlich macht. «Na, da hast du uns aber was zu erzählen», bemerkt Dr. Flash. «Ich weiss nicht, von wem sie das hat …», antwortet der Vater sofort scherzhaft. Er ist nämlich sehr kommunikativ und profitiert genauso von der Anwesenheit der Künstler wie seine Tochter. Während Plume zur grössten Freude von Pauline seinen Hut auf der Fingerspitze dreht, unterhält sich der Vater mit Doktor Flash über dies und das. Momente des Träumens – weit weg von den Sorgen des Alltags – sind für die Eltern ebenso wichtig wie für die Kinder. Der krönende Abschluss des Besuchs bilden Seifenblasen, die von Dr. Flash mithilfe seines Ventilators mit Hasenohren durch die Luft geblasen werden. «Erfrischende Seifenblasen, ein bisschen wie Glacé», bemerkt der Künstler, «diese da schmeckt nach Vanille, die andere nach Himbeere, Schokolade, Raclette, äh, nein.» Allgemeines Gelächter. Zum Abschied stimmt Doktor Flash auf seiner Spieldose «Aux Champs-Élysées» an.

Pauline geniesst die Darbietung der Traumdoktoren
Hut ab! Die neun Monate alte Pauline geniesst die Darbietung von unseren Traumdoktoren.

Die ersten Töne erklingen und alle, sogar Pauline (auf ihre Art), singen den Refrain des berühmten Liedes im Chor. Während die Künstler den Raum verlassen, bedankt sich der Vater herzlich bei ihnen für diesen fröhlichen Moment.

Beim Begleiten der Traumdoktoren durch die Korridore des Spitals merken wir schnell, dass sie fester Bestandteil des Teams sind. Ob Pflegeteam, Facility Management oder Empfangspersonal – die Künstler sprechen mit allen, die sie antreffen, und lassen sie immer mit einem Lächeln zurück. Auf dem Weg zur Kinder- Notfallstation treffen Plume und Flash den kleinen Cimran und seine Eltern. Die Familie spricht kein Französisch, aber die Künstler zeigen schnell, dass Lachen keine Sprache oder Grenzen kennt. Der kleine Junge gewinnt die Traumdoktoren schnell für sich und hupft bei jeder Darbietung vor Freude und mit leuchtenden Augen. Eine Szene, die man gern sieht und welche die Eltern mit ein paar Fotos als Erinnerung festhalten.

Selfies mit Kermit und Tigger

In der Notfallstation angekommen, lernen Flash und Plume den 2-jährigen Quentin und seinen Vater kennen. Das Kleinkind hat einen Schnuller im Mund und hält seine beiden Kuscheltiere fest im Arm: Kermit, der Frosch, und Tigger, der treue Begleiter von Winnie Pooh. Als er die ersten Seifenblasen sieht, stösst Quentin einen Freudenschrei aus, worauf sein Schnuller herausfällt. Aber vor allem der Mini-Fotoapparat von Doktor Flash scheint sein Interesse geweckt zu haben. «Warte, warte, ich mache ein Foto von dir und sende es per Bluetooth an Dr. Plume», sagt ihm der Traumdoktor. «Ich habe das Foto erhalten!», antwortet Doktor Plume, der Quentin einen kleinen Spiegel vors Gesicht hält. Dieser beobachtet mit Vergnügen sein Spiegelbild, zeigt mit dem Finger darauf und wiederholt seinen Vornamen. Natürlich haben – zur grössten Freude von Quentin – auch Kermit, Tigger und sogar sein Vater Anspruch auf ein Porträt. Er bekommt sogar ein ausgedrucktes Foto von Kermit in der Form eines Froschaufklebers. Schliesslich verabschiedet sich das Duo unter den Klängen von Maracas von dem kleinen Jungen, seinem Vater, Kermit und Tigger. Denn es warten noch weitere Kinder auf ihren Besuch.

Quentin mit dem kleinen Spiegel von Doktor Plume
Quentin hat Spass mit dem kleinen Spiegel von Doktor Plume.

Nachdem Flash und Plume allen Kindern auf der Notfallstation einen Besuch abgestattet haben, kehren sie in den zweiten Stock zurück, um Neues von Jules zu erfahren. Das Kind, das sich in Isolation befindet, ist gemäss definiertem Prozess das Letzte, das einen Besuch von den Traumdoktoren erhält. Aber Überraschung: Jules konnte das Spital in der Zwischenzeit verlassen. Die Doktoren Flash und Plume hätten ihn natürlich gern kennengelernt und wären mit ihm durch die Welt des Lachens und der Träume gereist. Aber sie sind vor allem zufrieden und erleichtert, zu erfahren, dass er die schönen Sommertage nun zusammen mit seiner Familie und seinen Freunden geniessen kann. Und das ist alles, was zählt.

Quentin freut sich sehr über den Besuch von Doktor Plume und Doktor Flash
Spitalzentrum von Rennaz: Der 2-jährige Quentin freut sich sehr über den Besuch von Doktor Plume und Doktor Flash.

Text: Franco Genovese/ Fotos: Pierre-Yves Massot

Während unserer Reportage im Spitalzentrum von Rennaz haben wir uns mit Isabelle Buttet, leitende Pflegefachfrau auf der Kinderstation, über die Vorteile unterhalten, welche die Anwesenheit der Traumdoktoren mit sich bringen.

Zum Interview mit Isabelle Buttet
Isabelle Buttet, leitende Pflegefachfrau Kinderstation Spitalzentrum Rennaz

Collezione natalizia 2022/23 della Fondazione Theodora

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